24.05.2004

Dr. Daniela Bailer-Jones
Philosophie der Naturwissenschaft
Bonn

Hoffen auf Verstehen:
Rationalität und Emotion.



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Biographie ° Daniela Bailer-Jones studierte Philosophie und Physik an den Universitäten Freiburg, Oxford und Cambridge. In Cambridge schloss sie 1993 ihr Physikstudium mit einem M.Phil. in Physik ab und 1997 ihre Promotion in Wissenschaftsphilosophie zum Thema Scientific Models: A Cognitive Approach with an Application in Astrophysics. Seither arbeitete sie als wissenschaftliche Angestellte an den Universitäten Paderborn und Bonn und war Stipendiatin im Emmy Noether Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft, womit 2003 ein einjähriger Forschungsaufenthalt als Fellow am Center for Philosophy of Science der Universität Pittburgh verbunden war. Ihre Habilitationsschrift Tracing the Development of Scientific Models in Philosophy of Science reichte sie im 2003 an der Universität Bonn ein. Ihre Forschungsinteressen betreffen vorwiegend die menschliche Kognition in der naturwissenschaftlichen Praxis, insbesondere das Vorgehen beim Modellieren von Phänomenen, die Rolle von Kausalität und Mechanismen beim Interpretieren von Phänomenen und die Rolle von Emotionen bei Motivation und Entscheidungen beim wissenschaftlichen Arbeiten.

Abstract ° Wissenschaftler streben danach, bestimmte Probleme zu lösen. Dies erfordert ein sehr hohes Maß an Motivation und natürlich auch die Hoffnung, ein Problem überhaupt lösen zu können (oft ja gegen alle Erwartungen und trotz langer Phasen der Enttäuschung). An eine derartige erfolgreiche Lösung eines naturwissenschaftlichen Problems knüpfen sich dann noch jede Menge andere Hoffnungen: auf öffentliche Anerkennung und Ruhm (z.B. Nobelpreis), auf eine gesicherte Existenz (feste Stelle, gute Arbeitsbedingungen), darauf, die Welt zu verbessern (ein Mittel gegen AIDS, gegen SARS, gegen den Welthunger...).
Neben diesen äußeren Belohnungen, die ausstehen, gibt es aber auch die 'inneren'. Damit, dass man ein bestimmtes Problem durchdrungen hat, ist eine emotionale Befriedigung verbunden, die einen vorher auch angespornt hat. Die vielbeschriene wissenschaftliche Intuition hat eine deutlich emotionale Komponente, ohne deshalb im Entferntesten irrational zu sein. Im Gegenteil, Rationalität und Emotion gehen eine enge Verbindung ein. Im Vortrag gehe ich dem Hoffen und Streben nach Verstehen nach, das vielleicht Wissenschaftler in extremem Maße in sich tragen, das aber letztendlich die meisten Menschen betrifft. Dabei gehe ich auf die emotionalen Elemente des wissenschaftlichen Hoffens ein, besonders mit Blick auf neuere Forschungsergebnisse zur Verknüpfung von Emotionen und rationalem Handeln.

Literaturempfehlung: P. Thagard 2002. The passionate scientist: emotion in scientific cognition, in: P. Carruthers, S. Stich & M. Siegal (Hrsg.), /The Cognitive Basis of Science/, Cambridge: Cambridge University Press, S. 235-250.

Vortrag (.pdf)