21.06.2004

Prof. Dr. Sighard Neckel
Soziologie
Giessen

Die Tragödie des Erfolgs.



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Biographie ° Sighard Neckel, Prof. Dr., geb. 1956, Lehrstuhl für Allgemeine Soziologie an der Justus-Liebig-Universität Giessen; Mitglied der Leitung des Instituts für Sozialforschung in Frankfurt am Main; Mitherausgeber der Zeitschrift für Sozialwissenschaft "Leviathan". Forschungsschwerpunkte: Symbolische Ordnungen sozialer Ungleichheit; Soziologie des Ökonomischen; kultureller Wandel in modernen Marktgesellschaften.
Buchveröffentlichungen u.a.: Status und Scham. Zur symbolischen Reproduktion sozialer Ungleichheit, Frankfurt/New York 1991; Waldleben. Eine ostdeutsche Stadt im Wandel seit 1989, Frankfurt/New York 1999; Die Macht der Unterscheidung. Essays zur Kultursoziologie der modernen Gesellschaft, Frankfurt/New York 2000 (2. Aufl.).

Abstract ° Unter allen Idealen, mit denen das moderne Zeitalter die Individuen versorgt, ist der Glaube an den Erfolg von einzigartiger Evidenz. Wie kaum ein anderes Wunschziel der Gegenwart ist "erfolgreich zu sein" zum Leitbild geworden, das Personen, Programme und Organisationen gleichermaßen erfasst. Doch die Hoffnung auf den Erfolg ist trügerisch: Erfolg und Misserfolg bedingen einander und steigern sich gegenseitig. Je süchtiger eine Gesellschaft nach dem Erfolg greift, umso mehr Konkurrenten wetteifern um ihn, was eine zunehmende Anzahl von Aspiranten leer ausgehen lässt. Überdies ist jeder Erfolg notwendig relativ. Da er sich nur im Vergleich zu Konkurrenten oder früheren eigenen Wettbewerbsplätzen manifestiert, muss er auf Wiederholung und andauernde Steigerung angelegt sein. Sein Zeitmaß ist die permanente Gegenwart, da Zurückliegendes sich schnell in der Beachtung verbraucht. Im Erfolgsstreben ist das Subjekt daher unablässig in einer Flucht nach vorn gefangen, die auf längere Sicht selbst wieder zum Scheitern verurteilt ist.

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